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Öffentlicher Field Guide für GraphRAG, Knowledge Graphs, AI-Architekturen und bessere Entscheidungen in komplexen Wissenssystemen.

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Praxis · Daten vorbereiten

Temporal Knowledge

Temporal Knowledge macht sichtbar, wann Wissen erzeugt wurde, wann es fachlich galt und ob es heute noch genutzt werden darf.

Daten vorbereiten
Temporal Knowledge
Querschnittsthema

Wie modelliert man Zeit, Gültigkeit, Versionen und überholte Aussagen?

2 Min LesezeitDaten vorbereiten

Warum es wichtig ist

Graphen und Memories altern. Ohne Zeitlogik werden alte Verantwortlichkeiten, frühere Entscheidungen oder überholte Policies als aktuelles Wissen behandelt.

Kernideen

Die wichtigsten Prinzipien dieses Themas auf einen Blick.

1

Erzeugungszeit, Gültigkeitszeit und Importzeit sind unterschiedliche Dinge.

2

Aussagen können aktiv, historisch, ersetzt oder widerrufen sein.

3

Versionen brauchen explizite Beziehungen und Datumsfelder.

4

Antworten sollten sagen können, auf welchen Stand sie sich beziehen.

Startfragen

Diese Fragen machen das Thema praktisch prüfbar. Hak sie ab – sie eignen sich als Einstieg für Workshops, Pilotvorhaben oder Architekturreviews.

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Die Grundidee

Temporal Knowledge bedeutet: Wissen bekommt Zeitlogik. Der Graph speichert, dass etwas gilt, wann es galt, wann es gelernt wurde, ob es ersetzt wurde und ob es heute noch verwendet werden darf. Das ist besonders wichtig für GraphRAG und Agent Memory, weil Antworten sonst alte Regeln, frühere Zuständigkeiten oder überholte Entscheidungen als aktuellen Kontext behandeln.

Vier Arten von Zeit

Viele Fehler entstehen, wenn alle Zeitpunkte in ein einziges Feld gepackt werden. Für Wissenssysteme sind diese Zeitarten unterschiedlich.

Erzeugungszeit

Wann wurde die Aussage erzeugt, extrahiert oder im System angelegt?

Gültigkeitszeit

Für welchen Zeitraum gilt die Aussage fachlich? Ein Vertrag kann 2024 importiert sein, aber ab 2025 gelten.

Importzeit

Wann hat das System die Information gesehen? Das ist wichtig für Reproduzierbarkeit und Debugging.

Review-Zeit

Wann wurde eine Aussage bestätigt, korrigiert, ersetzt oder verworfen?

Zustände von Aussagen

Eine Aussage ist nicht einfach wahr oder falsch. Für praktische Systeme ist entscheidend, ob sie aktuell, historisch, ersetzt oder widerrufen ist.

Aktiv

Die Aussage gilt aktuell und darf für Antworten genutzt werden.

Historisch

Die Aussage galt früher und ist für Rückblicke relevant, aber nicht für aktuelle Empfehlungen.

Ersetzt

Eine neuere Aussage löst die alte ab. Beide bleiben nachvollziehbar verbunden.

Widerrufen

Die Aussage war falsch oder darf nicht mehr verwendet werden. Sie bleibt als Auditspur sichtbar.

Beispiele

Temporal Knowledge wird greifbar, sobald sich Regeln, Rollen oder Erinnerungen ändern.

Policy-Version

Riskant

Nur die neueste Policy speichern und alte Versionen überschreiben.

Besser

Policy v1, v2 und v3 als Versionen modellieren und Antworten auf den gültigen Zeitraum beziehen.

Rollenwechsel

Riskant

Anna ist immer als Datenschutzbeauftragte gespeichert, obwohl sie die Rolle 2025 abgegeben hat.

Besser

Die Beziehung Person -> Rolle bekommt gültig-von und gültig-bis, damit aktuelle und historische Fragen unterscheidbar bleiben.

Agent Memory

Riskant

Ein Agent nutzt eine alte Präferenz weiter, obwohl der Nutzer sie korrigiert hat.

Besser

Die alte Erinnerung wird ersetzt oder widerrufen; die neue Erinnerung trägt Quelle, Zeitpunkt und Gültigkeit.

Praktische Arbeitsregel

Frage bei jeder wichtigen Aussage: Gilt sie immer, gilt sie ab einem Zeitpunkt, galt sie nur früher oder ersetzt sie eine ältere Aussage? Wenn diese Frage fachlich relevant ist, gehört Zeit als Teil des Modells in den Graphen und als Metadatum an ein Dokument.

Typische Fehler

Zeitfehler fallen oft spät auf, weil Antworten plausibel wirken, aber auf dem falschen Stand beruhen.

  • Nur ein Datumsfeld speichern: Erzeugt am, gültig ab und importiert am sind unterschiedliche Bedeutungen.
  • Alte Aussagen überschreiben: Dann ist nicht mehr rekonstruierbar, warum frühere Antworten entstanden sind.
  • Aktuell und historisch vermischen: Das erzeugt falsche Empfehlungen aus veraltetem Wissen.
  • Keine Versionierung für Regeln: Policies, Metriken und Verträge ändern sich, Antworten müssen den Stand nennen können.
  • Zeit als Beziehung behandeln: Zeit ist oft Teil der Beziehung und eine Eigenschaft des Dokuments.
  • Korrekturen nicht modellieren: Ohne Ersatz- und Widerrufsbeziehungen bleibt falsches Wissen im System aktiv.

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