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Öffentlicher Field Guide für GraphRAG, Knowledge Graphs, AI-Architekturen und bessere Entscheidungen in komplexen Wissenssystemen.

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© 2026 Meierhoff Systems · GraphRAG Compass

Orientierung für Entscheidungen in Wissenssystemen

Landkarte · Graph-Typen

Graph-Typen für GraphRAG und Wissenssysteme

GraphRAG wird präziser, wenn Dokument-Graph, Domänen-Graph, Wissensgraph, Conversational Graph und dynamischer Graph nicht vermischt werden. Die Typologie zeigt Zweck, Struktur, Risiken und typische Einsatzfälle.

Modellierung
GraphRAG
Referenz

Graph-Typen sind Modellierungsentscheidungen, keine Tool- oder Plattformkategorien.

Warum diese Unterscheidung zählt

Viele GraphRAG-Diskussionen sagen nur „wir brauchen einen Graph“. Für Architektur, Evaluation und Betrieb ist das zu grob. Ein Dokument-Graph folgt Quellen und Textstellen. Ein Domänen-Graph folgt fachlicher Realität. Ein dynamischer Graph folgt Veränderung. Diese Unterschiede bestimmen, welche Knoten, Kanten, Prüfungen und Tools sinnvoll sind.

Die wichtigste Frage lautet nicht: Welche Graphdatenbank? Sondern: Welche Realität soll der Graph abbilden?

Jeder Typ hat eine eigene Form – fahr über eine Karte, um sie aufleben zu sehen, und klick dich in den Typ.

Semantische Basis

Wissensgraph

Ein Wissensgraph macht Wissen explizit: Dinge, Beziehungen, Eigenschaften, Quellen und Bedeutung werden als abfragbares Netz modelliert.

Welche Dinge und Beziehungen müssen explizit werden, damit das System sinnvoll fragen, erklären und prüfen kann?

Fachliche Realität

Domänen-Graph

Ein Domänen-Graph modelliert die fachliche Welt einer begrenzten Domäne: Objekte, Rollen, Regeln, Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten.

Welche fachlichen Dinge existieren in dieser Domäne, und wie hängen sie belastbar zusammen?

Korpus und Quellen

Dokument-Graph

Ein Dokument-Graph erschließt Texte als Netz aus Dokumenten, Chunks, Erwähnungen, Claims, Quellen, Themen und Communities.

Was steht in diesen Quellen, und welche Textstellen, Claims oder Themen helfen bei meiner Frage?

Interaktion und Memory

Conversational Graph

Ein Conversational Graph modelliert Gesprächsverlauf, Nutzerziele, Entscheidungen, Präferenzen, offene Fragen und Feedback als wiederverwendbaren Kontext.

Was wurde im Gespräch gelernt, entschieden, korrigiert oder offengelassen, das für die nächste Antwort relevant ist?

Zeit und Veränderung

Dynamischer Graph

Ein dynamischer Graph modelliert Verbindungen, Gültigkeit, Veränderung und aktuellen Zustand.

Was galt wann, was hat sich geändert, und welcher Kontext ist für den aktuellen Zeitpunkt gültig?

Vergleich auf einen Blick

TypKernfrageHauptrisiko
WissensgraphWelche Dinge und Beziehungen müssen explizit werden, damit das System sinnvoll fragen, erklären und prüfen kann?Der Graph vermischt Begriffe, Datenobjekte und Dokumentstellen ohne klare Rollen.Domänen-GraphWelche fachlichen Dinge existieren in dieser Domäne, und wie hängen sie belastbar zusammen?Ein universaler Enterprise-Graph wird begonnen, bevor eine konkrete Domäne klar ist.Dokument-GraphWas steht in diesen Quellen, und welche Textstellen, Claims oder Themen helfen bei meiner Frage?Der Graph wird mit fachlicher Wahrheit verwechselt.Conversational GraphWas wurde im Gespräch gelernt, entschieden, korrigiert oder offengelassen, das für die nächste Antwort relevant ist?Alles wird gespeichert, aber nichts ist vertrauenswürdig.Dynamischer GraphWas galt wann, was hat sich geändert, und welcher Kontext ist für den aktuellen Zeitpunkt gültig?Der Graph zeigt nur den letzten Zustand und verliert die Historie.

Form 1

Dokument-Graph

Ein Dokument-Graph entsteht aus Textquellen. Er zerlegt, extrahiert und verdichtet Dokumente für besseres Retrieval.

  • Ausgangspunkt ist ein Textkorpus: PDFs, Webseiten, Verträge, Policies, Reports oder Tickets.
  • Das System zerlegt Quellen in Chunks oder Text Units und extrahiert daraus Entitäten, Beziehungen, Claims, Communities oder Summaries.
  • Der Graph ist primär ein Retrieval- und Analyseindex: Er hilft, Textstellen, Themencluster, lokale Entitätskontexte oder globale Korpusüberblicke zu finden.
  • Die extrahierten Beziehungen sind abgeleitetes Textwissen. Sie können nützlich sein, sind aber nicht automatisch fachlich geprüft oder vollständig.

Form 2

Domänen-Graph

Ein Domänen-Graph modelliert die fachliche Welt. Ein Vertrag kann darin ein fachliches Objekt sein, während der PDF-Volltext anderswo liegt. Sein Hauptzweck ist Bedeutung, Navigation und Nachvollziehbarkeit.

  • Ausgangspunkt ist eine fachliche Welt: Personen, Organisationen, Verträge, Systeme, Produkte, Regeln, Risiken oder Nachweise.
  • Der Graph modelliert konkrete fachliche Objekte und deren Beziehungen, unabhängig davon, ob der Volltext eines Dokuments im Graph liegt.
  • Der Graph ist primär ein Bedeutungs- und Entscheidungsmodell: Er hilft, Verantwortlichkeiten, Gültigkeit, Abhängigkeiten und fachliche Pfade zu verstehen.
  • Die Beziehungen sollten bewusst modelliert, gepflegt und geprüft werden. Ontologie oder Schema dienen als Leitplanke, sind aber kein dritter GraphRAG-Typ.

Der eigentliche Unterschied

Für die Praxis bleiben Dokument-Graph und Domänen-Graph die wichtigste Unterscheidung. Der eine macht Textkorpora navigierbar, der andere modelliert fachliche Realität. Wissensgraph, Conversational Graph und dynamischer Graph helfen, diese Grundformen sauber einzuordnen.

Kriterium
Dokument-Graph
Domänen-Graph
Startfrage
Was steht in diesen Dokumenten, und welche Textstellen oder Themen helfen bei meiner Frage?
Welche fachlichen Dinge existieren in unserer Domäne, und wie hängen sie belastbar zusammen?
Typische Knoten
SourceDocument, Chunk, TextUnit, EntityMention, Claim, Community, Summary.
Person, Organisation, Vertrag, System, Produkt, Policy, Kontrolle, Nachweis.
Typische Beziehungen
contains, mentions, supports, co-occurs-with, belongs-to-community.
unterzeichnet, gehört zu, verantwortet, erfüllt, belegt, unterliegt, ersetzt.
Stärke
Korpora erschließen, Überblicksfragen beantworten, Quellenkontext und relevante Textpassagen finden.
Fachliche Realität modellieren, Abhängigkeiten erklären, Regeln anwenden und Entscheidungen nachvollziehbar machen.
Hauptrisiko
LLM-extrahierte Beziehungen können unvollständig, redundant oder fachlich falsch sein.
Das Modell kann zu groß, zu abstrakt oder schlecht gepflegt werden.

Für Retrieval

Der Typ bestimmt, ob Retrieval über Chunks, Entitäten, Pfade, Verlauf oder Gültigkeit läuft.

Für Qualität

Jeder Typ hat andere Fehler: Halluzinierte Relationen, Scope Explosion, veraltete Zustände oder falsches Memory.

Für Tooling

Tools sind erst nach der Modellierungsfrage sinnvoll bewertbar. Ein Dokument-Graph braucht andere Pipeline-Arbeit als ein dynamischer Graph.