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Öffentlicher Field Guide für GraphRAG, Knowledge Graphs, AI-Architekturen und bessere Entscheidungen in komplexen Wissenssystemen.

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© 2026 Meierhoff Systems · GraphRAG Compass

Orientierung für Entscheidungen in Wissenssystemen

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Deep Dive · GraphRAG Patterns

GraphRAG Retrieval Patterns als Entscheidungskarte

GraphRAG ist kein einzelner Ablauf. Es ist eine Familie von Mustern, die unterschiedlich starten, unterschiedliche Systemschichten verantwortlich machen und unterschiedliche Risiken erzeugen.

Chunk-first
Entity-first
Hybrid
Text-to-Cypher
Agentic

Pattern-Ebene für Architekturentscheidungen · Juni 2026

Die Grundidee

GraphRAG wird verständlich, wenn die Frage nach dem Graphen von der Frage nach dem Retrieval getrennt wird. Ein -System kann mit Dokument-Graph, Domänen-Graph, Knowledge Graph oder dynamischem Kontext arbeiten. Das Retrieval Pattern entscheidet, wie eine Nutzerfrage daraus belastbaren Kontext holt.

Der gleiche Graph kann also in mehreren Mustern genutzt werden: einmal als Nachbarschaftserweiterung nach Chunk-Suche, einmal als Startpunkt für Entitäten, einmal als Cypher-Ziel oder als Werkzeug in einem agentischen Ablauf.

Motion Map

GraphRAG Patterns

Pattern
Frageklasse
Chunk
Entity
Hybrid
Cypher
Agentic
Kontext

Das Pattern bestimmt, wo GraphRAG startet und wie Kontext entsteht.

Drei Ebenen, drei Verantwortungen

Diese Trennung verhindert, dass Tooling, Datenmodell und Antwortqualität in einen einzigen Begriff rutschen.

Was ist im Graph modelliert?

Graph-Typen

Dokumente, Chunks, Entitäten, fachliche Objekte, Gesprächskontext oder zeitliche Veränderungen.

Wie wird Kontext geholt?

Retrieval Patterns

Die Pipeline entscheidet, ob sie bei Chunks, Entitäten, mehreren Signalen, Cypher oder einem Agentenplan startet.

Wie wird daraus Antworttext?

Antwortsynthese

Das LLM formuliert aus Belegen, Pfaden, Tabellen oder Zwischenergebnissen eine nachvollziehbare Antwort.

Entscheidungslandkarte

Die Patterns unterscheiden sich vor allem im Startpunkt und darin, welche Schicht die größte Verantwortung trägt. Für Architekturentscheidungen ist das wichtiger als der Name des eingesetzten Tools.

PatternStartpunktAppVector IndexNeo4j/CypherLLMStärkeRisiko
Chunk-firstÄhnliche Textchunksbettet die Frage ein und baut das Kontextpaketprimäres Startsignalerweitert Treffer über Entitäten, Terms, Dokumente oder Nachbarnantwortet aus Belegkontextquellennahe Fragen in großen Korporaähnliche Chunks können fachlich am Ziel vorbeigehen
Entity-firstEntitäten oder Konzeptenormalisiert Begriffe und begrenzt Hopshilft optional beim Entity Matchingliefert Nachbarschaften, Pfade und verbundene Quellenerklärt Pfade und Belegefachliche Abhängigkeiten bei brauchbarem Domänenmodellschlechte Entity Resolution erzeugt falsche Pfade
Hybridmehrere Suchsignalefusioniert, rerankt und beobachtet Signalbeiträgeliefert semantische Breiteliefert relationale Tiefe und Filternutzt gerankte Belege und Pfaderobuste produktionsnahe KontextauswahlFusion wird ohne Evaluation zur Black Box
Text-to-CypherGraphschema und Fragevalidiert Schema, Rechte und Query-Grenzenmeist Nebenrolleführt strukturierte Cypher-Abfragen ausplant oder erzeugt die Query und erklärt Ergebnissepräzise strukturierte Fragen über GraphmusterQuery-Fehler, Schema-Missverständnisse und Halluzinationen
AgenticZiel, Lücke oder Arbeitsauftragsetzt Tools, Budgets, Traces und Stop-Regelnein Werkzeug unter mehrerenein Werkzeug für Pfade, Fakten und Nachbarschaftenorchestriert mehrere Schrittekomplexe Aufgaben mit iterativer KontextsucheKosten, Kontrollverlust und schwer prüfbare Zwischenschritte

Die fünf Patterns

Jedes Pattern ist ein anderer Weg durch dieselben Grundbausteine: App-Orchestrierung, Index, Graph, Query-Schicht und LLM.

Chunk-first GraphRAG

Frage -> Frage-Embedding -> ähnliche Chunks -> Graphnachbarn, Entitäten, Terms oder Dokumente -> Belegkontext -> Antwort

Gut für: Quellenbezogene Fragen, große Textkorpora und einen pragmatischen Ausbau von klassischem RAG.

Achtung: Vector Search allein ist noch klassisches RAG. Zum GraphRAG-Pattern wird der Ablauf erst, wenn Treffer über Beziehungen erweitert, geprüft oder erklärt werden.

Verantwortung: Die App hält den Ablauf zusammen; der Vector Index findet Kandidaten; Neo4j liefert Nachbarschaft; das LLM formuliert.

Entity-first GraphRAG

Frage -> Entitäten oder Konzepte bestimmen -> 2 bis 3 Hops laufen -> relevante Pfade wählen -> Dokumente oder Chunks holen -> Antwort

Gut für: Domänen mit gepflegter Ontologie, stabilen Fachobjekten und Fragen nach Abhängigkeiten.

Achtung: Das Pattern steht und fällt mit Entity Resolution, Beziehungstypen und Hop-Grenzen. Mehr Pfade bedeuten nicht automatisch besseren Kontext.

Verantwortung: Die App normalisiert die Frage; Neo4j traversiert den Graph; der Vector Index ergänzt Quellen; das LLM erklärt die Verbindung.

Hybrid Retrieval GraphRAG

Frage -> Chunks suchen + Entitäten suchen + Filter oder Cypher nutzen -> fusionieren und reranken -> Belege und Pfade -> Antwort

Gut für: Produktionsnahe Systeme, in denen kein einzelnes Signal zuverlässig genug ist.

Achtung: Hybrid braucht Ablation: Es muss sichtbar werden, ob Vektor, Keyword, Filter, Graph oder Reranking die Antwort wirklich verbessert.

Verantwortung: Die App bewertet Signale; Indizes liefern Kandidaten; Neo4j liefert Struktur; das LLM bleibt Antwortgenerator.

Text-to-Cypher GraphQA

Frage -> LLM plant oder erzeugt Cypher -> Neo4j liefert strukturierte Ergebnisse -> LLM erklärt Ergebnis und Grenzen

Gut für: Fragen, die als klares Graphmuster beantwortbar sind: Wer ist verbunden mit was, über welche Beziehung, in welchem Zustand?

Achtung: Das LLM ist hier Query-Planer. Deshalb braucht es Schema-Kontext, erlaubte Query-Muster, Validierung und gute Fehlermeldungen.

Verantwortung: Die App begrenzt und validiert; das LLM plant; Neo4j führt aus; die Antwort muss Ergebnis und Query-Logik trennen.

Agentic GraphRAG

Frage oder Ziel -> Agent plant Schritte -> nutzt Vector Search, Cypher und Tools -> prüft Lücken -> antwortet

Gut für: Mehrstufige Aufgaben, bei denen die richtige Suchstrategie erst während der Bearbeitung sichtbar wird.

Achtung: Agentisch heißt nicht automatisch besser. Ohne Traces, Budgets, Stop-Regeln und Tool-Grenzen wird Retrieval schwer kontrollierbar.

Verantwortung: Die App setzt Leitplanken; der Agent orchestriert; Werkzeuge liefern Daten; das LLM synthetisiert und begründet.

Welches Pattern passt?

Die beste Entscheidung beginnt bei der Frageklasse. Erst danach lohnt sich die Diskussion über Graphschema, Index, Cypher oder Agenten.

Die Frage sucht konkrete Textbelege.

Chunk-first

Die Frage startet bei bekannten Fachobjekten.

Entity-first

Textnähe, Filter und Beziehungen müssen zusammenwirken.

Hybrid

Die Antwort ist ein präzises Graphmuster oder eine Liste.

Text-to-Cypher

Die Aufgabe braucht mehrere Such- und Prüfschritte.

Agentic

Einordnung

GraphRAG beginnt nicht bei Neo4j, sondern bei der Kontextfrage

Neo4j kann Graph Store, Cypher-Schicht und Vector Index in einem System verbinden. Architekturentscheidend bleibt aber, ob eine Frage Textnähe, Entitäten, strukturierte Queries, kombinierte Signale oder agentische Planung braucht.

Nächste Schritte

Nächstes Konzept: GraphRAGGraphRAGHybrid Retrieval